Stellvertreter, die in einer Aufstellung für Personen, Ziele oder Konflikte stehen, erleben Emotionen, die direkt auf das System des Klienten bezogen sind: „Repräsentierende Wahrnehmungen“ machen aus der reinen Skulptur ein lebendes Bild.
Sobald die Stellvertreter die Positionen eingenommen haben, die der Klient ihnen gegeben hat, entwickelt sich ein „wahrnehmendes Feld“: Die Rollen wirken sich in Körper- und Gefühlswahrnehmungen aus, erzeugen Bewegungsimpulse und Blickkontakte. Der Coach fragt die körperlichen, emotionalen und rationalen Empfindungen der Stellvertreter ab: Ergeben sich Gefühle, was Nähe oder Distanz angeht; ergeben sich emotionale Effekte wie Lachen oder Trauer; kommen bestimmte Gedanken hoch.
Das Wahrnehmungsvermögen der Stellvertreter zeigt sich in jeder Aufstellung und scheint zu den Sinnen zu gehören, mit denen jeder Mensch ausgestattet ist. Dieses Potential lässt sich trainieren – Menschen, die häufig in Aufstellungen Rollen übernehmen, verfügen über ein verfeinertes Gespür.
In der Prozessarbeit schlägt der Coach Interventionen vor. Dazu gehören etwa Platzwechsel oder Umbenennung der Repräsentanten („Strukturmodifikation“), zusätzliche Stellvertreter für auftretende Themen („Strukturerweiterung“) sowie Wegnahme von Rollenträgern („Strukturreduktion“).
Er prüft Wahrnehmungen durch Dialoge ab, die er den Repräsentanten in den Mund legt. Er lässt sie Gesten ausführen, zu denen Nicken, Verneigen oder die Übergabe von Gegenständen gehört. Er lässt klärende Sätze aussprechen, die Zugehörigkeit, Zuständigkeiten, Würdigungen oder Dank ausdrücken. Verweigert ein Stellvertreter eine Interaktion, so versteht der Coach auch dies als Rückmeldung aus dem System.
Dabei führt der Aufstellungsleiter absichtslos: das Anliegen des Klienten steht im Mittelpunkt, und die Aufgabe des Coaches ist keine andere, als Impulse einzubringen, die zu einer Bewegung im aufgestellten System führen: Eine beratende Interpretation durch den Moderator ist überflüssig, da der Klient sein eigenes System und die mögliche Lösung besser kennt. Der Aufstellungsleiter soll sich in Integralen Aufstellungen als Gastgeber empfinden.
Ein Gastgeber, dem natürlich die Ordnung im Hause bewusst ist: in Organisationen gehören beispielsweise das Recht auf Zugehörigkeit, die Anerkennung von Leistung, die Besinnung auf die Aufgabe, ein würdevoller Umgang mit Trennungen und ausgeglichene Verhältnisse zwischen den Teilnehmern zum “guten Ton”. Nicht zuletzt muss in einer Business Aufstellung auch der Vorgesetzte seinen Platz einnehmen – hierarchisch aufgebaute Strukturen verlangen nach klarer Führung.
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