Zu einer erfolgreichen Business- oder Familienaufstellung gehören drei Grundelemente: ein klar formuliertes Anliegen, konzentrierte Stellvertreter und eine systemische, zielorientierte Prozessarbeit durch den Coach. In einer Nachbesprechung werden dann das Lösungsbild und die notwendigen Schritte dorthin analysiert.
Das Anliegen muss klar, kann aber auch offen formuliert sein. „Fahren sie mich irgendwo hin, aber ich möchte dort ankommen, wo es mir gefällt“ – das ist ein Auftrag, den ein Taxifahrer bei bestem Willen nicht erfüllen kann. „Ich habe Hunger und Appetit auf italienische Küche“ wäre hingegen eine offene, aber durchaus lösbare Aufgabe für den Fahrer.
Das Thema sollte keine Anklage enthalten: „Warum kann die Produktion nicht die Anforderungen des Vertriebs erfüllen?“, „Wieso schafft es das Team nicht, die gesteckten Ziele zu erfüllen?“ oder: „Warum finde ich keinen besseren Job?“
Durch eine solche Fragestellung werden die bestehenden Konflikte eventuell verstärkt und eine mögliche Lösung verhindert. Eine Grunderkenntnis der Systemtheorie lautet, dass alle sinnvollen Lösungen bereits im System vorhanden sind (wenn auch manchmal gut versteckt): „Wie können wir die Anliegen des Vertriebs in der Produktion besser thematisieren?“, „Wie kann das Team die gesteckten Ziele erfüllen?“ oder: „Wie finde ich einen besseren Job?“
Es ist Aufgabe der leitenden Coachs, das Anliegen des Klienten so zu hinterfragen, dass ein konfliktfrei formuliertes Anliegen zu Tage tritt.
Im Ablauf einer Integralen Aufstellung wird das Anliegen zweistufig besprochen: zuerst in einem Vieraugengespräch zwischen Klient und Coach, bei dem es auch um Ablauf und Grenzen der Aufstellung geht: Sucht der Klient nach einer Lösung im Businesskontext und befinden sich in der anwesenden Gruppe Kollegen, könnte eine solche Grenze beispielsweise die private Familiensituation betreffen.
Die zweite Stufe der Klärung des Anliegens findet dann vor der Gruppe statt. Der Klient trägt sein Thema vor, der Coach stellt Rückfragen. Dadurch soll das Thema für alle Anwesenden klar erfassbar werden.
Allzu detaillierte Informationen um das Anliegen herum führt zu einer Faktenüberfrachtung der Stellvertreter. Hier ist es Aufgabe des moderierenden Coachs, zwischen dem Mitteilungsbedürfnis des Klienten und der Aufnahmefähigkeit der übrigen Gäste einen Ausgleich zu finden.
Als nächster Schritt erfolgt die Auswahl der Stellvertreter. Die erste und wichtigste Rolle ist die des Klienten selbst. Der Coach schlägt mögliche weitere Rollen („Das andere Team“, „Der ältere Kollege“ oder etwa „Das Produkt“) für das Bild vor, der Klient sucht sich aus den Teilnehmern passende Repräsentanten aus. Dabei sollte der Klient stets dem „ersten Impuls“ folgen, da dieser nicht nur erfahrungsgemäß der richtige ist, sondern auch der ganzen Gruppe einen lähmenden „Qual der Wahl“ – Prozess erspart.
Der Klient stellt nun die ausgewählten Stellvertreter so im Raum auf, dass das Bild für ihn stimmig ist. Auch hier sollte er seinem ersten Impuls folgen.
Stehen die Stellvertreter im Raum, bittet der Coach den Klienten auf einen Platz, an dem er das Geschehen gut verfolgen kann. Dann bittet der Coach die Stellvertreter, sich in ihre Rollen einzufühlen, und eventuellen Bewegungsimpulsen nachzugeben. Meist verändert sich das Bild in den folgenden Minuten schlagartig – und der Klient erlebt seinen ersten “Aha-Effekt”. Sind die Bewegungsimpulse abgeschlossen, ergibt das das “Erste Bild” in der Familienaufstellung.
Zum Ersten Bild holt sich der Coach ein Feedback des Klienten ein. Dabei zeigt sich in den meisten Fällen eine erstaunlich zutreffende Darstellung des Systemes, in dem sich der Klient befindet. Ich habe erlebt, dass der Klient zu Beginn an der Rollendarstellung der Stellvertreter zweifelt, im Laufe des Aufstellungsprozesses aber tatsächlich zur Erkenntnis gelangt, dass gerade diese Fehleinschätzung seines realen Systems die zu bearbeitenden Konflikte erzeugt hat …
Hier geht es zum nächsten Artikel der Serie “Handbuch 12coaches Aufstellungen”


No comments yet.